Mit drei Flachbettstanzen EXPERTCUT 106 PER von BOBST befindet sich colordruck auf der Zielgeraden zur unterbrechungsfreien Null-Fehler-Produktion.
Bei dem Baiersbronner Verpackungshersteller colordruck sind die Prozesse in der Produktion weitgehend automatisiert. Entsprechend hat hier die Zuverlässigkeit des Maschinenparks einen besonderen Stellenwert. Im Laufe des vergangenen Jahres installierte colordruck drei Flachbettstanzen EXPERTCUT 106 PER von BOBST. Seither hat die Sicherheit im Stanzprozess signifikant zugenommen. Gleiches gilt für die Produktivität und die Qualität.
"Am Ende zählt nur, wie viele Bogen wir pro Stunde durch die Maschinen bekommen", zeigt colordruck-Geschäftsführer Herbert Klumpp auf den digitalen Zähler der C.U.B.E.-Steuerung der EXPERTCUT 106 PER. Durch die Flachbettstanze laufen in diesem Augenblick die Bogen eines Auftrags mit jeweils sechs Nutzen einer Verpackung eines ‚Raumerfrischers’ – den dunkelblauen Ziffern der Anzeige auf dem Monitor zufolge bei kontinuierlich 9'000 Bogen pro Stunde. "Dieser Job läuft also mit der Höchstgeschwindigkeit", so Klumpp. Inwieweit kann die Verpackungsdruckerei mit Sitz in Baiersbronn im Nordschwarzwald die Spitzenleistung der drei neuen Flachbettstanzen von BOBST im Alltag tatsächlich ausreizen? "Das hängt von den Aufträgen ab. Bei einfachen Jobs schöpfen wir sie voll aus. Bei komplizierten Konstruktionen hängt die Geschwindigkeit von der Komplexität der Verpackungskonstruktionen, der Zahl der Nutzen und der Stärke der zu stanzenden Materialien ab", erklärt Martin Bruttel, der gemeinsam mit Herbert Klumpp und Thomas Pfefferle die Geschäfte des bereits 1929 als Steindruckerei gegründeten Unternehmens leitet. Im Schnitt erreiche die Druckerei, die jährlich mehr als 1 Mrd. Verpackungen an ihre Kunden liefert, in der Stanzproduktion einen sehr hohen Durchsatz. Darauf komme es letztlich an.
Bis ins Detail ausgefeilter Materialfluss
"Aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten für Halbfertigprodukte halten wir unsere Bestände so niedrig wie möglich. Deshalb brauchen wir in allen Bereichen unserer Produktion zuverlässige Technologien, die uns einen reibungslosen innerbetrieblichen Durchfluss gewährleisten", formuliert Pfefferle eine Grundanforderung des Unternehmens an seine maschinelle Ausrüstung. colordruck wirbt mit dem Slogan ‚Bewegend verpacken’. Auch die Produktionsprozesse sind auf allen Ebenen konsequent auf diese Philosophie ausgerichtet. So bringen fahrerlose Transportsysteme (FTS) die Paletten mit den bedruckten Bogen aus dem Drucksaal automatisch in ein Durchlauflager, das unmittelbar neben den insgesamt vier Flachbettstanzen des Unternehmens angesiedelt ist. Je nachdem, wie lange die Druckfarben und Lacke trocknen müssen, werden die Bogen bis maximal 24 Stunden zwischengelagert. Schließlich erhalten die FTS aus dem Lagerverwaltungssystem die Order, welche Paletten sie wann an welche Stanze liefern sollen. Auch das geschieht automatisiert. Es liegt auf der Hand: Die Prozesse im Druck und im Stanzbereich müssen mehr oder weniger gleich getaktet sein. Ansonsten würden die begrenzten Kapazitäten für die Zwischenlagerung der Bogen nicht ausreichen. Der kompromisslos auf Effizienz ausgelegte Arbeitsfluss würde gestört. Im Extremfall müssten womöglich sogar die Druckmaschinen angehalten werden. Deshalb spielt die Zuverlässigkeit der auf dem patentierten Autoplatine®-Stanzkonzept von BOBST basierenden Flachbettstanzen für colordruck eine Schlüsselrolle. "Wir richten die Maschinen ein und fahren sie hoch. Anschließend werden die Aufträge weitgehend unterbrechungsfrei abgearbeitet", fasst Maschinenführer Jens Fahmer die bisherigen Erfahrungen aus dem Betriebsalltag zusammen. Die erste der neuen Flachbettstanzen wurde hier bereits 2010 installiert. Die zweite Maschine folgte im Frühjahr 2011, die dritte Stanze nahm das Unternehmen Mitte des Jahres in Betrieb. Zusätzlich ist nach wie vor eine SPRINTERA 106 PER von BOBST im Einsatz. So kommt colordruck im Stanzbereich heute auf eine theoretische Kapazität von knapp unter 40'000 Bogen pro Stunde.
Innovationen bringen Stabilität
Durch eines der Fenster der EXPERTCUT 106 PER kann man zusehen, wie die ausgebrochenen Abfälle nach unten in den großzügig ausgelegten Abfallkanal fallen, der die vier Flachbettstanzen entsorgt. Das Ausbrechwerkzeug wird so schnell bewegt, dass sein Auf und Ab vor unseren Augen geradezu verschwimmt. "9'000 Bogen pro Stunde sind schon eine beeindruckende Geschwindigkeit", kommentiert Fahmer den gerade laufenden.
Aus Sicht des Maschinenführers tragen verschiedene Innovationen zu der bislang nicht gekannten Stabilität und hohen Nettoleistung im Stanzprozess bei. Das gelte insbesondere auch für den Bogenanleger, das Bogenregistersystem und das Randauswurfsystem. Fahmer: "Die Druckbogen werden selbst von leicht verstoßenen Paletten korrekt eingezogen, alle Bogen akkurat in und quer zur Laufrichtung ausgerichtet und die Abfälle zuverlässig ausgebrochen sowie entsorgt". Das gelte grundsätzlich für alle Kartonagen und Wellpappen, die colordruck verarbeitet. Unabhängig von der Größe und den Grammaturen dieser Materialien hebt der Non-Stop-Anleger Smart Feeder die Stapel stufenlos an und stellt damit eine konstante Übergabehöhe der Bogen zum Anlegetisch sicher. Im Zusammenspiel mit der antistatischen Edelstahlplatte mit Wabenstruktur des Anlegetisches ist die optimale Zufuhr der Bogen gewährleistet. Darüber hinaus wurde dieser Anleger von BOBST so entwickelt, dass er auch Papier sowie Kunststoffe zuverlässig anlegt – ein wichtiges Leistungsmerkmal für Betriebe, die auch solche Materialien verarbeiten. Die Präzision des Druck-Stanz-Registers sieht Fahmer bei dem neuen Registersystem Power Register II im Vergleich zu seinem Vorgänger als enormen Fortschritt. "Wir brauchen heute nur noch mit Druckbalken und Passermarken zu fahren". Denn in den Maschinen sind hoch empfindliche Kameras installiert, die wahlweise die Bogenkanten, speziell aufgedruckte Registermarken oder die Drucke selbst erkennen. Anhand dieser Daten werden die einzelnen Bogen perfekt zu den Stanzwerkzeugen ausgerichtet. BOBST hat diese Registron-Hochleistungskameras speziell für Einsätze entwickelt, die besondere Anforderungen an die Präzision stellen. Die Power Register ‚1-Millimeteroption’ gibt im Hinblick auf das Bogen-Layout zusätzliche Flexibilität. So kann colordruck hier statt üblicherweise 2 mm-Registermarken 1 mm-Marken drucken und auslesen. Das heißt, je nach Layout kann die Oberfläche der Bogen besser genutzt werden. Oder die Marken lassen sich besser in die Layouts integrieren. "Das neue Registersystem bietet einfach mehr Möglichkeiten, gezielt die gewünschten Produktionsergebnisse zu erzielen", zieht Fahmer Bilanz. Zudem sorgt der Doppelnocken-Greiferantrieb des Autoplatine-Stanzkonzepts für eine extrem gleichmäßige Beschleunigung und Verlangsamung der Bogen. Die Bewegungen der Greiferstange werden von der Bogenerkennung über die Stanzung, das Ausbrechen und die Nutzentrennung oder die Auslage ganzer Bogen durchgehend gesteuert. Das reduziert in jeder Phase des Stanzprozesses die Belastung der Bogen, weshalb wiederum die Zahl der Haltepunkte verringert werden kann. Auch das trägt zur höheren Qualität der Produkte bei – und ermöglicht gleichzeitig eine höhere Produktionsgeschwindigkeit.
Schlüsselfaktor Rüstzeiten
"Die Zielgruppen unserer Kunden werden immer fokussierter. Entsprechend schrumpfen die Auflagen kontinuierlich. Folglich werden die Rüstzeiten der Maschinen zunehmend wichtiger", betont Klumpp die Notwendigkeit, Maschinen schnellstmöglich einrichten zu können. Auch hier warten die neuen Stanzen mit einer ganzen Reihe von Innovationen auf, die sich in einer deutlich höheren Verfügbarkeit widerspiegeln. Laut Fahmer gibt es insbesondere bei Wiederholaufträgen Einsparpotenzial.
Beispielsweise die Vorrichtung zur Ganzbogenablage lässt sich laut Fahmer erheblich schneller rüsten. Mit ihr können die Maschinenführer die EXPERTCUT 106 PER-Maschinen im Handumdrehen von der Nutzentrennung auf die Ganzbogenauslage umstellen, was die Flexibilität im Produktionsprozess noch erhöht. Gleiches gilt für die Werkzeughebebühne: Alle Werkzeuge werden mit einem Knopfdruck genau auf die Ebene der Stationen gebracht, in die sie montiert werden sollen. Das ermöglicht einfache, schnelle und ergonomische Auftragswechsel. Komfortabel auch das Quick Change-Konzept, das im Zusammenspiel mit dem von BOBST entwickelten, patentierten Centerline®-System die haargenaue Positionierung aller Werkzeuge und damit die Reproduzierbarkeit aller Aufträge bei exakt gleichen Ergebnissen garantiert. Die Stanzwerkzeuge wiederum werden beim Öffnen bzw. Schließen der Sicherheitsfenster automatisch verriegelt bzw. freigegeben. "Die Werkzeuge passen immer. Für uns ist das Leben einfach deutlich leichter geworden", berichtet Fahmer von den Erfahrungen der Maschinenführer. Im Gegensatz zum Druck, wo Wiederholaufträge zur Seltenheit geworden sind, kann im Stanzprozess bei etwa der Hälfte der Jobs auf vorhandene Werkzeuge und Einstellungen zugegriffen werden. Da alle Aufträge in der intuitiv bedienbaren C.U.B.E.-Steuerung der Maschinen gespeichert werden, sind diese Wiederholaufträge jederzeit auf Knopfdruck abrufbar. Bei mehreren Auftragswechseln pro Schicht und Flachbettstanze summieren sich die kürzeren Rüstzeiten bei colordruck auf einen Zugewinn an Produktionszeit. "Die Rüstzeiten müssen künftig gegen Null gehen", skizziert Pfefferle, wo die Messlatte aus Sicht des Verpackungsspezialisten für die Maschinenhersteller in Zukunft hängen wird. "Bis dahin ist es aber natürlich noch ein langer Weg". Da alle EXPERTCUT 106 PER exakt gleiche Produktionsergebnisse liefern, kann colordruck die Aufträge beliebig auf sie verteilen. Interessant auch die Philosophie, an der das Unternehmen seine Investitionsentscheidungen orientiert: "Letztlich kaufen wir nicht Maschinen, sondern Kapazität". Angesichts des hohen Automatisierungsgrades und der ausgefeilten Produktionsprozesse wird colordruck von seinen Maschinenlieferanten gerne als Referenz genutzt. Auch Kundenbesuche gehören praktisch zur Tagesordnung. "Egal, ob Markenartikler, Handelsmarkenproduzenten oder Industrieunternehmen – wir können unseren Auftraggebern heute eine erstklassige Qualität bieten, was wir ihnen gerne vor Ort präsentieren. Das gilt insbesondere auch für die Zuverlässigkeit und Präzision unserer neuen Stanztechnik", erklärt Bruttel. Die Drucksacheneinkäufer nehmen die Offenheit des Unternehmens gerne in Anspruch. Schließlich müssen sie sich in Zeiten einer zunehmenden Just-in-Time-Produktion mehr denn je auf ihren Verpackungslieferanten verlassen können.
Auch der After-Sales-Service passt
Die hohe Verfügbarkeit der Maschinentechnik wird flankiert von dem technischen Service von BOBST, der an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr verfügbar ist. Bislang hat man ihn für die neue Stanztechnik allerdings noch nicht in Anspruch nehmen müssen – wozu auch die regelmäßig stattfindenden vorbeugenden Wartungen ihren Beitrag leisten. Doch im Falle des Falles können wir uns auf die Schnelligkeit und die Kompetenz der Techniker von BOBST verlassen. Das wissen wir aus Erfahrung", führt Klumpp einen weiteren Aspekt an, der für die Installation der Flachbettstanzen EXPERTCUT 106 PER und damit für eine Fortsetzung der mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnte andauernden Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen sprach. "BOBST orientiert die Entwicklung seiner Technologien konsequent an den Anforderungen der Zukunft und ist dabei offen für die individuellen Anforderungen seiner Kunden. Das ist für uns ebenfalls ein zentrales Element einer strategischen Partnerschaft". Seit 1958 hat colordruck insgesamt 17 Stanzen und zwölf Faltschachtel-Klebemaschinen des schweizerischen Maschinenbauunternehmens gekauft. In 2012 soll bereits die nächste Flachbettstanze folgen.
Bobst SA, Lausanne, Schweiz, Februar 2012